wearevisual
Stadt:
Hamburg
Medium:
Installation
Artist Statement
We are Visual – Freies Spiel Die Arbeiten von We Are Visual zeugen vom Willen zur Rückeroberung verlorener Handlungs- und Bewegungsfreiheit im Spielraum Stadt. Poller und Zäune führen zur Einschränkung der Freiheit im urbanen Raum, aber auch scheinbar Unterhaltsames wie bunte Oberflächengestaltung und Musikbeschallung können als disziplinarische Maßnahmen genutzt werden, mit denen das städtische Bild ‚von oben’ kontrolliert wird. Einen wenig subversiven Eingriff gegen alternative Stadtgestaltung- und nutzung stellt die Verschalung von Abluftschächten des sich im Gentrifizierungskrieg befindlichem Hamburger Stadtteils St. Pauli dar. WAV befreite 2013 nicht nur die Wärmequelle für Obdachlose sondern installierte davor Betten, die nach kurzer Zeit von städtischer Seite entfernt wurden. Es ist dies eine Arbeit von vielen, in denen Felix Jung und Marc Einsiedel von WAV sich ihrer künstlerischen Freiheit bedienen, um mit effektiven kreativen Eingriffen vor Ort moralisch verantwortlich zu handeln, „think global, act local“. Da aber diese Interventionen meist der dem Tourismus zuträglichen ‚Visage’ zuwider läuft, gelten sie als illegal. Dennoch wollen We Are Visual – und so ist auch ihr Name zu verstehen – sichtbar machen und sichtbar sein. Während der Installation ihrer Werke tragen sie Signalwesten, die es ihnen bis zu einem gewissen Punkt ermöglichen, ungestört zu arbeiten und die zugleich auf den Zusammenhang zwischen Legitimation und Autorität anspielen. Offizielle Wegführungen und Streckennetze geben Bewegungsrichtungen vor und entscheiden, was gesehen wird und was verborgen bleibt. Die Arbeit von WAV kann als Versuch interpretiert werden, durch „Installation, Intervention und Inventionen“ fernab von vorgegebenen Wegen den Blick zu öffnen und die Selbstbestimmung des passiven ‚Konsumenten’ zu aktivieren. Damit bewegt sich das aus der Street Art kommende und Ende 2009 formierte Künstlerduo nicht nur im Bereich von Urban Art samt Berührungspunkten mit Graffiti und Parkour, sondern knüpft es zudem an vergangene Kunstbewegungen wie die der Situationisten an, die Kunst in den Alltag integriert wissen wollten und die Stadt als Spielplatz forderten. Ausstellungsräume in Erscheinung des White Cube nutzen WAV, um im Stadtraum leicht zu Übersehendes in den Fokus zu rücken. Die Erforschung, Verarbeitung und Aneignung von Material und Ästhetik des öffentlichen Raums in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen treten in jüngeren Werken verstärkt hervor. Mit Olymp zeigten WAV auf der P/ART 2013 als objet trouvé ein durch Brandstiftung deformiertes Toilettenhaus, dessen Ästhetik des Vandalismus sie über einem großformatigen Spiegel exponierten. Klinische Kälte kontrastiert hier mit der Hitze der Stadt. Eine Verbindung zwischen Ästhetik, Aktion und Konzept stellt ein Werk wie Zaun her, das 2012 in der Galerie Melike Bilir zu sehen war. Die hintereinander angeordneten Zaungitter sind so dem öffentlichen Raum entnommen worden, dass insgesamt ca. 600 000 m2 Freifläche entstand. Die Inszenierung der Zäune entfaltet eine minimalistische Formensprache, und behandelt zugleich raumtheoretische und soziopolitische Fragen zum Thema Abgrenzung. Das Anliegen von WAV ist auch hier deutlich sichtbar: Freiheit - Freiheit in Bewegung, Handlung und Gestaltung.
 
Portfolio
 
Olymp, 2013
Installation
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit Intervention im Rahmen der Ausstellung F*KK im Kunsthaus Rhenania , Köln 2014 Material: Kleidung, Holz, Plastikverbundstoffe
Installation
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit Intervention im Rahmen der Ausstellung F*KK im Kunsthaus Rhenania , Köln 2014 Material: Kleidung, Holz, Plastikverbundstoffe
Installation