Simon Hehemann
Stadt:
Hamburg
Medium:
Malerei
Artist Statement
Hehemann bewegt sich mit seinen Arbeiten frei in der Malerei, Zeichnung und Fotografie, wendet Techniken der Serialität wie Schablonenverfahren oder Frottage an, verbindet diese wiederum in Montagen und Collagen. Mit seinem Materialverständnis knüpft er dabei an Dieter Roth und Sigmar Polke an, auch, um bestimmte in deren Werk angelegte Gedanken weiterzuentwickeln. Schaut man sich allerdings die Motive der neuen Fotocollagen wie 'Arrival & Departure' und 'Geschichte vom Gewicht' genauer an wird sichtbar, dass Simon Hehemann Schüler von Norbert Schwontkowski ist, bei dem er, von 2005 an, bis zur Erimitierung Schwontkowskis im Jahr 2009, studierte. Es ist der poetische Umgang mit Bildgegenständen wie Hockern, Büchern, Flugzeugen, Tassen und Flaschen oder Themen wie Landschaft, Licht, Schwerkraft, die Hehemann bei Schwontkowski aufgreift. Dabei Teilen die beiden neben dem Gespür für das Alltägliche einen unaufgeregt lakonischen Humor. Dieser findet sich auch in den Motorradzeichnungen wieder, einer fortlaufende Reihe von Bleistift- und Pinselzeichnungen, in denen mit einfachen Mitteln – Kronkorken plus Tinte – verschiedenste „Motorrad-Situationen“ dargestellt sind. Neben Wettrennen und Motorradtreffen erahnt man vor allem spektakuläre Unfälle: sich im Salto überschlagende Maschinen; platzende Reifen; Fahrer, die sich im Rennen verkanten; übermütig brennender Motocross und in der Luft zerbrechende Yamahas. Zu den poetischen Momenten kommt in den Motorradzeichnung etwas Morbides hinzu, was wir als Spannungsverhältnis ähnlich in den raumfüllenden Gipsinstallationen wiederfinden, die in Zusammenarbeit mit Stefan Vogel entstanden sind. Für Gipsy Club meditatio Nizza verlagerten die beiden Künstler alle Gegenstände aus ihrem Gemeinschaftsateliers in die Galerie Feinkunst Krüger, überzogen diese dort mit Gips und erschufen so einen komplett weißes, totes Interieur. Als Methode wurde dieses Vorgehen auch zur Grundlage für die Ausstellungen Schmetterlinge und Echnatons Augenhöhle; was sich hier allerdings verändert hat, ist, dass die toten Objekte, durch weitere Eingriffe (Tücher, Licht, Arrangement) symbolisch wiederbelebt wurden und dadurch beginnen ein ganz neues Geflecht aus Beziehungen zueinander einzugehen, das an die Stelle der gewöhnlichen Alltagsfunktionen tritt. Eine Vielzahl an Arbeitsmethoden als Einzelkünstler versammelt Simon Hehemann in seinen alchemistischen Zeichnungen, die häufig mit einer Schablonenfigur beginnen, um dann mit Chlorreiniger, Beize, Harz, Wasser, Acrylfarbe, Bröseln sämtlicher Art, Lack, Kaffee, Dreck, Bleistift, Rost, Bier, Bleiche und Wasserfarben weiter bearbeitet zu werden. Seine Zeichnungen sind dabei nicht nur materiell der Alchemie verschrieben, sie sind Darstellung von Phänomenen wie Ottomotoren, Transkriptionsvorgängen auf DNA-Strängen oder vermeintlichen Naturgesetzen, denen wir immer wieder mit okkultem Staunen gegenüberstehen. Eine Untergruppe der alchemistischen Zeichnungen bilden Hehemanns Styroporkugelcollagen: In einem ersten Schritt werden in langwieriger Fleißarbeit die einzelnen Styroporkügelchen geometrisch auf dem mit weißem Acryl grundierten Papier angeordnet und befestigt, um dann in einem kurzen Akt direkt aus der Farbtube beschmiert zu werden. Dadurch, dass beide Vorgänge von Hehemann selber ausgeführt werden, kommt es zu einer dramaturgischen Überhöhung dieses Moments des Eingriffs; er erschafft sich in mühevoller Kleinstarbeit einen unverzeihlichen Untergrund, um diesen mit einer schnellen informellen Geste anzugreifen. Den Styroporkugelcollagen im Arbeitsprozess entgegengesetzt verhalten sich Hehemanns Getränkekastenbilder, an deren Beginn die schnelle, willkürliche Grundierung steht und die erst in einem zweiten Schritt mit Getränkekästen und Bitumen-Lack in ornamentale Ordnung gebracht werden. So entsteht ein Muster, das an Perserteppiche erinnert und durch diese Assoziation das Thema der räumlichen Verortung öffnet, da Hehemann das Muster des Getränkekasten – wie einen Wandteppich – aus der Horizontalen in die Vertikale verlagert. Die Getränkekastenbilder sind Teil der Arbeiten in denen sich Hehemann mit Schablonenverfahren auseinandersetzt. Wo hier der Getränkekasten als Schablone dient, ist es in seinen alchemistischen Zeichnungen der Bremsgriff und in seinen Motorradzeichnungen der Kronkorken. In zweifacher Weise mit den Getränkekastenbildern verknüpft sind seine Gullydeckel- Frottagen, die als Serie vor drei Jahren auf einer Reise nach Istanbul ihren Anfang nahmen und bis heute weitergeführt werden. In ihnen sind es die Gullydeckel, die als Schablonen auftrete und ihr eigentümliches Muster in das Papier einprägen. Und ebenso wie der Getränkekasten ein profanes Bodenobjekt ist, ist es auch der Gullydeckel, sodass wir auch die Langeverschiebung von Horizontal nach Vertikal wiedererkennen. Betrachtet man Simon Hehemanns Arbeiten in ihrem gesamten Umfang und Zusammenhang, erkenn man, dass ein Prinzip hervortritt: Er erschafft Ordnungen, um diese als Grundlage für Unordnung zu benutzen – Struktur und Chaos, Aufbau und Abbau lässt er in einem Wechselspiel aufeinanderprallen. Nick Kopenhagen
 
Portfolio
 
Absaufen, 53 x 45 cm, Mischtechnik auf Papier, 2014
Malerei
o.T., 200 x 270 cm, Mischtechnik auf Leinwand, 2014
Malerei
Arrival & Departure, 170 x 250 cm, Mischtechnik auf Leinwand, 2014
Malerei