Lorenz Goldstein
Stadt:
Hamburg
Medium:
Fotografie
Artist Statement
Die Bewunderung für das ganzheitliche Körperbild, welches zu Zeiten der Alten Meister in der Kunst noch vorherrschend war, vermischt sich in Goldsteins Arbeiten mit einem zunächst neutralen Gefühl für das fragmentierte, manipulierte oder durch Operationen und Transplantationen neu zusammengesetzte Bild des heutigen Körpers. Zunächst eher klassisch malend begonnen, entstehen seit Ende 2011 aus dieser malerischen Basis heraus auch Objekte, Skulpturen oder Installationen, die aus Fotofragmenten und anderen bewusst eingesetzten Materialien oder Gegenständen bestehen. Die Fotofragmente liegen häufig schichtweise übereinander und weisen so Analogien zur Haut und auch eine Nähe zu der Malerei des Künstlers auf. Das Fotofragment (Wie von einer Werbetafel abgerissen und pseudo- illusionistisch geformt) bildet als verwendetes Material die passende Grundlage für sie Skulpturen und Objekte. Goldstein interessiert sich für die Frage nach dem durch Werbung und Medien sich verändernden Verständnis des Körpers und des Bildverständnisses in unserer Zeit. Bei der Foto-Skulptur „cullection“ beispielsweise, (siehe vimeo Link: http://vimeo.com/44373412) die sowohl dreidimensional als auch an anderen Stellen zweidimensional angelegt ist, entsteht eine gezielte Irritation zwischen den Dimensionen. Steht der Betrachter in gewisser Distanz zur Skulptur, fügt sich die Optik der Fotofragmente (Ähnlich wie bei einer optischen Täuschung) zu einem Ganzen zusammen und wird als plastische Kopfform wahrgenommen. Aus der Nähe betrachtet kippt die Optik ab einem gewissen Punkt. Unförmigkeiten an der Skulptur werden sichtbar und einige Partien offenbaren sich nun in ihrer bloßen Zweidimensionalität und fehlerhaften Unförmigkeit. Das eben noch plastisch und ganzheitlich erscheinende Objekt wird nun zu einer beinahe abstrakten Form. Durch Verringerung der Distanz vollzieht sich also eine Dekonstruktion der vorher ganzheitlich erfassten Kopfform. Die Skulptur ist umgeben von gewöhnlichen Alltagsgegenständen, welche raumfüllend angeordnet sind, und im Zusammenspiel mit der Figur ein ungewöhnliches, im Maßstab verschobenes Verhältnis zueinander bekommen. Der Eingangsbereich des Raumes legt nicht nur den Blickwinkel des Betrachters auf die Installation fest, sondern gibt dem Gesamten fast wie bei einem gemalten Bild einen Rahmen. Den pathetischen, großen Körperthemen wie Vergänglichkeit, Schmerz, oder Eros, wird ein subtiler Humor, ein Augenzwinkern oder eine herausfallende Geste entgegengesetzt. Damit wird die Schwere dieser Inhalte entschärft. So wird in neueren Arbeiten wie z.B. des Objektes o.T. 2014 (Putze) die Grundform eines Kopfes mit einem Luftballon gebildet, der nicht nur Symbolisch für Feierlichkeiten (Geburtstsagsparty ect.) steht, sondern nach einiger Zeit eben auch zusammenschrumpelt oder zerplatzt und so die Form der Skulptur nachhaltig verändert und eine absurde Analogie zum Altern und Vergehen des Menschlichen Körpers in sich bereit hält. In einer anderen Arbeit o.T. (Mickey/Venus) ist der Gegensatz in der Symbolik versteckt. So wirkt Diese aus der Ferne betrachtet zunächst wie ein verfremdeter Mickey Mouse Kopf. Aus der Nähe betrachtet erkennt der Betrachter jedoch eine weibliche Schampartie und ist nun gezwungen, seine Interpretation nochmals zu überdenken.
 
Portfolio
 
Old Masters (Fade) 2013 150cm x 140cm Öl auf Leinwand
Fotografie
o.T. (Mickey/Venus) 2014 120cm x 85cmx 35cm Metallgestell, Luftballons, Fotoftagmente, Ölfarbe, Klebeband
Fotografie
Cullection 2012, 155cm x 120cm x 210cm Holzlatten, Hdf Platten, Decken, Fotofragmente
Fotografie