Aleen Solari
Stadt:
Bielefeld/Hamburg
Webseite:
Medium:
MixedMedia
Artist Statement
Die installativen Arbeiten von Aleen Solari integrieren meistens Menschen, die etwas tun oder auch lassen, wie beispielsweise eine kleine Katze füttern, Bier trinken oder Chips essen. Es sind Tätigkeiten und Untätigkeiten, welche an Attitüden des Slackertums, der Beat Generation sowie des Punk und dessen Klischees erinnern. In diesem Zusammenhang stellt sich allerdings die Frage, ob diese coolen, meistens gelangweilt erscheinenden Menschen bzw. Akteure nicht auch hier und da mit uns selbst und unserem ganz normalen Alltag identifiziert und mit unseren eigenen Geschichten aufgeladen werden können. Ob diese Performer nachdenken, warten oder uns beobachten, ist unklar respektive dem Betrachter überlassen. Fest steht aber, dass sie als Bestandteile eines installativen Kunstwerks oftmals mehr zum Nachdenken anregen und irritieren als eine Skulptur oder eine Malerei es vermögen. Verwendete Objekte als Bestandteile der Installationen werden oft aus Alltagssituationen und Subkulturen rekrutiert und sind unter anderem daher nicht weniger verstörend. Sie stehen teilweise in ihren Konnotationen in Kontrast zu den performenden Personen, zum Teil ergibt sich allerdings auch ein stimmiges Gesamtbild einer Situation. Die verwendeten Materialien und Medien dieser Installationen, die zurückbleiben, wenn die Performer nach Hause gegangen sind und welche unter Umständen auch allein die Ausstellung bilden, wenn es sich um eine längere Laufzeit als nur einen Abend handelt, sind teils gefundene aber meist gearbeitete Objekte. Mehr und mehr beschäftigt sich Aleen Solari mit Keramik und stellt Arbeiten her, die mit den Grenzen zwischen Kunst und Kunsthandwerk spielerisch umgehen. Oftmals kommen verschiedene behandelte bzw. bemalte Stoffe wie Seide zum Einsatz, zeigen ihr unkontrollierbares Verhalten und werden zu einem kontrastierenden Teil der weitestgehend kontrollierten Verhaltensweisen der Akteure. Wenn ein junger, gut aussehender Hipster in einem institutionellen Zusammenhang auf einer Art Interieur- Insel mit Sessel, bühnenartigem Licht, Kunstblumen, Obst, Teppich, Getränken etc. sitzt und Marihuana konsumiert oder wenn ein Performer von einem zweiten aus einer Kneipe abgeholt wird, wo er viel Schnaps und Bier getrunken hat und in eine installative Situation mit einer Ultra-Fahne und verschiedenen Spielzeugen, Stoffen und wiederum bühnenartigem Licht gebracht wird, wo er total betrunken am Boden sitzend Dosenbier trinkt und Chips isst, oder wenn zwei Schwestern in einer wandartigen Installation mit Fenstern sitzen bzw. liegen und gelangweilt mit ihren Smartphones hantieren und mit ihren Haaren spielen, während ein dritter Akteur mit zahlreichen Tätowierungen, Lederschuhen und roten Socken seitlich auf einer Bierkiste sitzt und rauchend Bier aus Flaschen trinkt, deren Etiketten er abknibbelt, kann man davon ausgehen, dass es sich um präzise Handlungsanweisungen der Künstlerin handelt und dass so gut wie nichts dem Zufall überlassen ist. Und obwohl die Akteure laut Anweisung oft schrecklich gelangweilt erscheinen, passiert doch immer etwas. Oder der Betrachter wartet darauf, dass etwas passieren möge. Ein wichtiger Teil der Arbeit von Aleen Solari ist demnach etwas, das dem Betrachter verborgen bleibt und das ist die Kommunikation zwischen den Performern und ihr selbst. Das hintergründige Spielen mit einer uns allen bis zum Wahnsinn bekannten Eventkultur, die sich die zeitgenössische Kunst an allen nur denkbaren Orten zu eigen gemacht hat, wird hier subversiv in die Arbeiten selbst integriert und ist nicht nur Teil eines flankierenden Spektakels. Dennoch oder wahlweise daher ist und bleibt diese künstlerische Position verstörend und das ist gut so. Was diesen Arbeiten aber vor allem nicht fehlt, ist eine hinreissende Poesie. Mit nonchalanter Leichtigkeit werden Situationen inszeniert, die souverän mit Raum, narrativen Anspielungen und Gegenständen umgehen und uns nachdenklich, amüsiert, zum Träumen veranlasst, jedenfalls immer berührt zurücklassen. Musik spielt eine nicht unwesentliche Rolle in den Arbeiten von Aleen Solari. Was einfach nur ehrlich ist, denn diese Überschneidung der künstlerischen Gattungen ist eine sehr essentielle und berechtigte. Hinzu kommt hier allerdings die Frage nach abgründigen Klischees, mit denen Solari umgeht, denn es werden deutlich Formen von high and low hinterfragt. Die Titel von Solaris Arbeiten zitieren oft die unauffälligeren Zeilen von Liedtexten allgemein bekannter Songs von Bands aus dem White Trash-Bereich, welche bei Ihrer Entstehung und auch in der Rezeption mit größtem Ernst gesehen wurden und werden. Bei ihren Titelvergaben wie auch innerhalb der Arbeiten selbst sieht Aleen Solari Allegorien zur Kunstrezeption: Unreflektiert in ihrer Ernsthaftigkeit. Sie nimmt dieses Gefühl der Ernsthaftigkeit sehr ernst. Und vielleicht auch mit einem größeren Bewusstsein über die Bühne der Bildenden Kunst. Definitiv aber ist es eine Frage des Mutes, Assoziationen zur Debatte zu stellen, die aus der Sicht vieler Menschen einfach nicht in den avantgardistischen, intellektualisierten, elitären Bereich der Bildenden Kunst gehören. Nicht, dass Aleen Solari die Erste wäre, dieses zu wagen. Doch befindet sie sich in einer Tradition von Demokratisierung, leichtfüssigem Skandal, lässiger Interdisziplinarität und dem Umgang mit Menschen und Materialien in der Kunst, die die Frage nach dem Stand der Dinge in der Kunst gut auf den Punkt bringt.
 
Portfolio
 
„Alistair“, mixed media, 2011
MixedMedia
„Wall“, mixed media, 2013
MixedMedia
„N°3“, mixed media, 2013
MixedMedia